Monthly Archive for April 2009

Die Tiger-Bären-Kuh

So unorganisiert wie wir sind, haben wir es mal wieder verpeilt die Trekkingtour, die wir geplant hatten, rechtzeitig zu buchen. Zudem haben wir auch noch länger geschlafen und uns beim Frühstück richtig viel Zeit gelassen. Daher wurde nichts aus der geführten Tour und so haben wir uns eine eigene Tour zusammengestellt: Botanischer Garten, Dudda Betta (höchster Punkt in Südindien) und zurück zu Fuß nach Ooty.
Der Botanische Garten ist wirklich sehr schön, leider hatten wir viel Glück mit dem Wetter und es war wirklich voll. Alle fünf Meter wurden wir von freundlichen Indern angesprochen, ob wir mit Ihnen ein Foto machen möchten. Dies war auch die ersten zweihundert Mal lustig, aber irgendwann will man auch seine Ruhe haben und ein wenig herumschlendern. Wir haben uns gefragt, ob es in Deutschland als fremdenfeindlich angesehen würde, wenn wir in Deutschland einem Inder begegnen und ihn bitten würden ein Foto von Ihm machen zu dürfen.
Nach dem Botanischen Garten ging es dann mit dem Bus Richtung Dudda Betta. Da der Bus die Station nicht ganz anfährt, musste wir die letzten drei Kilometer zu Fuß zurücklegen; alternativ hätten wir auch einen Jeep nehmen können, aber wir wollten ja was von der Landschaft sehen und sind ja zum Wandern hier. Der Weg zum Dudda Betta ist sehr steil und die Abgase der vorbeifahrenden Fahrzeuge machen den Weg nicht gerade angenehm. Irgendwann haben wir uns dann entschlossen durch den Wald, der neben der Straße verläuft, weiterzugehen. Auch wenn es manchmal etwas sehr müllig war (das waren dann die Plätze, an denen die Inder Rast gemacht haben), haben wir einen sehr schönen Aussichtspunkt gefunden.
Als wir endlich am höchsten Punkt angelangt waren, waren wir etwas erstaunt, dass man für die letzten Meter Eintritt zahlen muss; zwar nur fünf Rupees, aber gewundert hat es uns schon.
Der Mann vom Tourismusbüro hatte uns gesagt, dass wir einen der Mitarbeiter oben fragen sollen, welchen Weg wir am besten zurück nach Ooty gehen können. Der Mitarbeiter ist dann mit uns zu der Zugangsstelle gegangen und hat uns zu verstehen gegeben, dass wir nur immer bergab gehen müssen (ist ja auch klar, wenn man am höchsten Punkt ist). Der besagte Weg war allerdings nicht mehr als ein Trampelpfad, auf dem es zum Teil wirklich Steil herab ging, man durch Stachelbüsche hindurch musste und kleine “Sumpfgebiete” überspringen musste. Irgendwann mitten im Wald hörten wir plötzlich ein lautes Brüllen und fragten uns ängstlich, ob es in Ooty Bären oder Tiger gibt. Wir sind also weitergegangen und haben an jeder Wegbiegung nach einem Tiger Ausschau gehalten, nur um später festzustellen, dass es sich bei dem potentiellen Tiger um eine Kuh gehandelt hat.
Am späten Nachmittag haben wir uns dann entschlossen, noch einen Tag länger in Ooty zu bleiben und haben direkt die Trekkingtour für den nächsten Tag gebucht.

Ein langer Weg nach Ooty

Wie lange braucht ein Zug für die 45 km von Mettupulayam nach Ooty? Keine Ahnung, wir sind nach 8 Stunden in Coonoor ausgestiegen und haben den Bus genommen.
Aber erstmal von Anfang an: Nach einigem Hin und Her haben wir heute Morgen doch noch Tickets für den Zug bekommen (wir sind nämlich VIPs :-) ). Als es endlich um 7:10 Uhr losging, saßen wir schon seit mindestens 6 Uhr im Zug. Gott sei Dank hatten wir Sitzplätze ergattern können. Die stopfen die 4 Waggons nämlich bis oben hin voll.
Die Nilgiri Mountain Railway gehört zum UNESCO Weltkulturerbe und es ist ein Erlebnis mit diesem Zug die 2021 Höhenmeter zurückzulegen (wenn auch ein recht fragwürdiges). Komfortabel ist der Zug nicht, aber die Landschaft entschädigt Einiges. Leider hatte unsere Dampflok permanente Probleme mit dem Dampfdruck, daher mussten ständig Pausen von ca. 20 Minuten eingelegt werden. Somit brauchten wir alleine für die Hälfte der Strecke länger als man sonst für die gesamte Fahrt benötigt. Als wir dann nach 8 Stunden in Coonoor (ca. 19 Km vor Ooty) angekommen sind, haben wir uns entschieden auf den Bus umzusteigen. Leider haben wir gerade noch bei Wikipedia gelesen, dass in Coonoor die Dampf- gegen eine Diesellok ausgetauscht wird. Na ja, wer jetzt zuerst in Ooty angekommen ist, wissen wir nicht, aber wir freuen uns angekommen zu sein.
Heute Morgen haben wir uns noch über die Inder lustig gemacht, die mit Mütze und dicker Fleecejacke in den Zug gestiegen sind. Auch nachdem wir endlich in Ooty angekommen waren, fanden wir die Temperatur sehr angenehm. Doch jetzt, wo die Sonne schon seit ca. 2 Stunden untergegangen ist, ist es doch erheblich kühl geworden. Die dicke Decke in unserer Unterkunft werden wir sicherlich brauchen.
Morgen wollen wir wandern gehen und am Mittwoch wollen wir uns morgens den Botanischen Garten ansehen, bevor wir nachmittags gegen 16:30 Uhr in Richtung Mysore aufbrechen werden.

P.S. Die Durchschnittsgeschwindigkeit (ohne Standzeiten) der Zugfahrt lag bei ca. 5 Km/h. Eigentlich hätten wir auch laufen können. Nur unser Gepäck und die 2000 Höhenmeter haben uns daran gehindert ;-)

Auf nach Ooty

Heute Morgen sind wir sehr früh aufgestanden, um den Zug nach Coimbatore zu nehmen. Da der Zug ein Nachtzug war, konnten wir noch sehr gut einige Stunden Schlaf nachholen. Eigentlich hatten wir vor, eine Nacht in Coimbatore zu übernachten und am nächsten Tag in die Nilgiri Mountains aufzubrechen. Da der Mann vom Tourismusbüro uns aber geraten hat, heute noch nach Mettupalayam zu fahren, da wir sonst kein Ticket mehr für den Zug nach Ooty kriegen, haben wir das auch direkt mal gemacht. Wir sitzen jetzt also hier in Mettupalayam, einem Ort, der nicht im Reiseführer Erwähnung findet, und werden morgen wieder gegen 4 Uhr aufstehen, um noch Tickets für den Zug um 7 zu bekommen. Drückt uns die Daumen!
Mehr von uns hört ihr wieder aus Ooty.

Die Backwaters von Kerala

Nachdem wir uns also auf “The Icon” eingerichtet hatten, ging es auch schon los. Zunächst wurden wir mit einer trinkbereiten Kokosnuss und Jasminkette begrüsst und wir fühlten uns wie auf Hawaii. Von unserer Anlegestelle hinaus ging es erstmal auf einen großen See. Nachdem wir den überquert hatten, gab es auch schon das Mittagessen. So viel haben Christof und ich in Indien auf einmal noch nicht gegessen.
Den Rest des Tages ging es durch die Kanäle und um 16 Uhr sind wir aufs Kanu umgestiegen. Eigentlich hatten wir gedacht, dass wir selber paddeln müssten. Jedoch wurde uns die Arbeit vom “Knochenmann” abgenommen. Wir haben ihn “Knochenmann” genannt, weil er sehr dünn ist und eigentlich nur aus Muskeln bestehen muss. Jedenfalls hatte er ein Mordstempo drauf. Diese Art die Backwaters zu erkunden bringt einen noch näher an die schöne Landschaft und Tierwelt. Am zweiten Tag war uns der Ausflug mit dem Kanu allerdings etwas zu privat, da die Menschen, die in den Backwaters leben, den Fluss nicht nur als Küche, sondern auch als Badezimmer verwenden.
Abends haben wir noch ein wenig geangelt (aber nichts gefangen) und es gab noch ein super Abendessen, was allerdings von den vielen Mücken etwas gestört wurde. Um nicht noch mehr Mücken anzulocken haben wir nach dem Dinner das Licht ausgemacht und den Sternenhimmel bewundert.
Der zweite Tag verlief ähnlich, mit viel gutem Essen und einer langen Fahrt durch die verwundenen Kanäle der Backwaters. Heute Morgen auf dem Rückweg haben wir nochmal Halt gemacht und gelernt, wie man ein Fischernetz richtig auswirft. Gar nicht so einfach wie es bei den Fischern immer aussieht! Aber wir haben uns bestimmt wacker geschlagen.
Seit heute Mittag haben wir wieder festen Boden unter den Füßen und zögern keine Sekunde euch die neuesten Fotos zu präsentieren.

Die Suche nach einem Boot

Nach unserer Ankunft in Johnson’s Guesthouse haben wir schnell festgestellt, dass die anderen Gäste auch Deutsche sind und so haben wir uns abends noch über unsere bisherigen Indienerfahrungen ausgestauscht.
Am nächsten Morgen sind wir dann auf die Suche nach einem guten Angebot für eine Hausbootfahrt gegangen. Da das Boarding meist so gegen 11:30 oder 12 Uhr ist, hatten wir gar nicht so viel Zeit, uns unterschiedliche Anbieter und deren Boote anzusehen. Im Endeffekt haben wir uns dann für das Angebot von Johnson, unserem Gastgeber, entschieden. Es war im Vergleich zu den anderen Anbietern zwar wesentlich teurer, aber hatte zwei Vorteile: 1. Der gesamte Ablauf stand vorher im Detail fest und alle Zusatzleistungen wie z.B. Kajakfahren, Fischen, Essen waren inklusive.
2. Sobald es irgendwelche Missverständnisse oder Abweichungen von dem Plan gab, konnte man Johnson vom Handy der Crew direkt anrufen und das Problem klären. Dies war sehr gut, da die Crew (der Kapitän, der Koch und ein Assistent) in der Regel nur wenig Englisch spricht.
Bei den anderen Anbietern hatten wir das Gefühl, dass sie zwar den Preis aufgrund der Nebensaison senken, jedoch dafür an anderen Leistungen sparen.
Ein Hauptkostenpunkt bei einer Bootsfahrt ist der Diesel. Am Tag verbraucht so ein Boot um die 30 L Diesel, was mit ca. 1200 Rs ins Gewicht fällt. Daher machen wohl andere Anbieter wesentlich längere Mittagspausen und ankern abends bereits sehr viel früher, um Diesel zu sparen.

So hatten wir uns dann entschlossen das Boot von Johnson zu chartern und gingen dann direkt an Bord von “The Icon”.

Von Kumily nach Allepey

Am Mittwoch sind wir, nachdem wir noch Tee und Gewürze aus der Region gekauft haben, mit dem Bus weiter nach Allepey gefahren. Auch wenn diesmal die Sitze im Bus ein wenig durchgesessen waren und wir das Gefühl hatten, auf Holzbohlen zu sitzen, haben wir die Fahrt der Landschaft wegen sehr genossen. Zunächst fährt man auf Serpentinen durch zahlreiche Tee- und Kaffeeplantagen. Auf der anderen Seite des Berges folgten dann Kautschuk- und Ananasplantagen. In flacheren Gebieten gab es dann Reisplantagen und zahlreiche kleine Dörfer bis wir dann langsam die Kanäle der Backwaters kurz vor Allepey erreichten. Unsere Reise wurde kurz unterbrochen da ein Festmarsch mit geschmücktem Elefanten und vielen Trommlern die Straße blockierte. Uns hat dieser kleine Stopp sehr gefallen, jedoch war unser Busfahrer nicht besonders begeistert, da er die Zeit noch aufholen musste. Kaum in Allepey angekommen, wurden wir von “Schleppern” umlagert, die uns ihre Unterkünfte und Hausboote angepriesen haben. Anders als in anderen Städten hat es jedoch diesmal ein wenig Spaß gemacht, zu sehen wie sich die Schlepper gegenseitig ausgespielt haben. So sind wir zum Schluss beim Johnson Guesthouse gelandet.

Vanille, Kardamom, Zimt, Pfeffer, Tee, Kaffee…

Das alles und noch viel mehr haben wir heute bei einer Spice Tour gesehen und teilweise auch probiert. Vom schlechten Beispiel der Tour des Tourismusbüros in Chennai haben wir uns nicht abschrecken lassen und haben hier beim Tourismusbüro eine Tour durch die Gewürzgärten, Tee- und Kaffeeplantagen gebucht. Und diese Mal hat es sich auch wirklich gelohnt. Es war sehr interessant zu erfahren, wie die einzelnen Gewürze wachsen, wie ihre Blüten aussehen, wie lange sie zum Reifen brauchen usw. Am besten war aber die Teeplantage. Als wir ankamen, kamen gerade die Pflückerinnen mit der ersten Ladung Teeblätter zur Sammelstelle; das war wirklich ein Erlebnis. Leider ist uns erst sehr viel später, nämlich in der Teefabrik, aufgefallen, dass in unserer Kamera gar keine Speicherkarte eingelegt war. Unser Fahrer war so nett, dass er auf dem Rückweg nochmal bei der Teeplantage angehalten hat, damit wir ein paar Fotos machen können; leider waren dann aber keine Pflückerinnen und riesige Mengen von Teeblättern mehr da. Wir hoffen, dass die Fotos, die wir noch gemacht haben, euch trotzdem einen schönen Einblick geben.

Bamboo Rafting

Heute haben wir den ganzen Tag im Naturschutzgebiet verbracht, und zwar mit Wandern und Bambusfloßrudern. Entgegen der Aussage von der Touristeninformation sind wir dabei doch nass geworden (zum Glück nicht annähernd so nass wie gestern). Wir sind heute richtig früh aufgestanden, nämlich um 6, weil unsere Tour um 8 angefangen hat. Nach einer einstündigen Wanderung sind wir auf das Bambusfloß umgestiegen. Als wir unser Ziel erreicht hatten, gab es erstmal Frühstück (Toast, Marmelade, Bananen, Kaffee). Gestärkt sind wir dann zur nächsten Wanderung aufgebrochen. Auch nach langem Suchen konnten wir keine wilden Tiere sichten, bis uns schließlich eine kleine Herde Büffel über den Weg gelaufen ist. Ansonsten haben wir noch Frösche, Wildschweine, eine Schlange, wilde Hunde, zwei unterschiedliche Affenarten und viele bunte Vögel gesehen. Leider gab es keine Elefanten, Leoparden oder Tiger, nur ganz viel Elefantenmist, Leopardenerbrochenes (da sie die schwarzen Affen essen, muss das Fell ja auch irgendwie wieder raus) und Tigerkratzspuren an Bäumen. Aber so ist das halt in der freien Natur; es gibt eben keine Garantie, dass man die Tiere zu Gesicht bekommt.
Nach dieser anstrengenden Wanderung gab es erstmal Mittagessen. Anschließend ging es auf den Rückweg; also zuerst wieder Paddeln und dann Wandern.
Alles in allem war es ein gelungener Tag, an dem wir zu Fuß die Flora und Fauna Keralas erkundet haben.

Kumily

Kumily ist eine sehr kleine Stadt in Kerala, nur einen Katzensprung von der Grenze zu Tamil Nadu entfernt. Wir mussten sogar unter der Schranke, die die Grenze der beiden Staaten markiert, hindurchgehen. Von ca. 2m über Meeresspiegel in Mamallapuram sind wir in Kumily auf 860m aufgestiegen; und das merkt man auch deutlich am Klima. Es ist wesentlich angenehmer.
Warum sind wir also eigentlich hier? Die Antwort: Hier gibt es das Periyar Wildlife Sanctuary, ein Naturschutzgebiet, in dem es noch Tiger und wilde Elefanten gibt.
Nach der langen Fahrt haben wir am Sonntag erstmal so richtig ausgeschlafen. Da es schon zu spät für Touren im Park war, haben wir uns zunächst in der Stadt umgesehen und haben uns dann spontan entschlossen, einen Elelfantenritt mit anschließendem Bad zu machen. Klug wie wir ja sind, haben wir natürlich keine Sachen zum Wechseln dabei gehabt. Zum Glück ist unsere Unterkunft nicht weit gewesen. Am besten schaut ihr euch die Fotos selber an.

Gefahren in Indien (2)

Sowohl die Busse als auch die Züge in Indien fahren mit offenen Fenstern und Türen. Schnell lässt man sich verleiten, den Kopf in den Fahrtwind zu halten, um sich ein wenig abzukühlen oder ein schnelles Foto zu erhaschen. Die Gefahr der Enthauptung ist dabei jedoch sehr gering; trotzdem sollte man aufpassen wo und wann man seinen Kopf herausstreckt. Viel größer ist die Gefahr seine Kopfbedeckung zu verlieren. Mehr möchte ich eigentlich nicht schreiben und mache mich auf, eine neue Cappy zu kaufen. Jedoch kann es keinen Ersatz für eine auseinanderfallende aber mich immer treu begleitende Kopfbedeckung geben. Leider ist das letzte Foto mit Kopfbedeckung auch nichts geworden.

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