Sonntag in Gent

Es ist Sonntag. Lang geschlafen wird aber nicht. Der Grund: Ich will die Genter Sonntagsmärkte besuchen, bevor diese um 13 Uhr schließen. Das Wetter hätte nicht besser sein können. Die Sonne strahlt von einem knallblauen Himmel als wir durch die Genter Altstadt zum Kouter, dem Blumenmarkt, gehen.

Der Kouter ist ein sehr idyllischer Markt. Der Platz ist von Bäumen umgeben und in einem verschnörkelten Jugendstil-Pavillon spielt eine Blaskapelle. Berühmt ist der Blaue Kiosk, an dem tatsächlich morgens um 10 Uhr Weißwein und frische Austern gereicht werden. Entgegen meiner Erwartungen werden auf dem Kouter hauptsächlich Garten- und Zimmerpflanzen angeboten. Die Schnittblumen, die es gibt, werden aber zum Teil  zu Schnäppchenpreisen rausgehauen. Der Kouter ist sehr nett, aber so überwältigend, wie er überall angepriesen wird, finde ich ihn nicht.

Unsere nächste Station ist der Tiermarkt am Oude Bestenmarkt. Dort gibt es Kaninchen, Enten, Hühner, Ziervögel und Fische zu kaufen. Es ist ein sehr kleiner Markt und vielleicht nicht für jeden geeignet. Zumindest war für mich das Konzept, Tiere sonntags auf dem Markt zu kaufen irgendwie ungewöhnlich. Aber andererseits ist es eigentlich auch nicht so unnormal. Beendet haben wir unsere Märktetour auf dem Vrijdagmarkt, wobei dort sonntags zwar kein Markt stattfindet, dafür aber Konzerte. Hinter der nahegelegenen St. Jacobskerk findet aber immer sonntags ein kleiner Trödelmarkt statt.

 

info

  • Kouter täglich 7-13 Uhr, von Mitte April bis Ende September gibt es sonntags Konzerte
  • Oude Bestenmarkt, sonntags von 7-13 Uhr
  • Trödelmarkt Bij Sint-Jacobs en Beverhoutplein, Freitag, Samstag und Sonntag 8-13 Uhr
  • Vrijdagmarkt, freitags 7-13 Uhr und samstags 11-18:30 Uhr, Konzerte sonntags von Ostersonntag bis Ende September

Die Touristinfo Gent hat alle Märkte und einen Sonntagsspaziergang in einem PDF zusammegefasst.

Treppe rauf, Treppe runter im Genter Gravensteen

Vom Vrijdagmarkt starten wir zum Gravensteen, einer Burg mitten in der Genter Altstadt. Als wir am Vortag mit der Bahn direkt vor der Burg angekommen sind, haben wir sie wegen einiger Bauzäune gar nicht richtig wahrgenommen. Erst bei der Bootsfahrt dachten wir uns „Wo kommt denn die Burg auf einmal her?“. So eine Burg mitten in der Stadt  ist irgendwie total irreal. Ich musst unweigerlich ans Phantasialand denken. Die Burg selbst ist sehr gut erhalten. Von innen kann man an der gesamten Burgmauer entlang langgehen, in Türmen noch ein Stück höher steigen und den Blick auf die Stadt genießen. Die Ausstellung ist übersichtlich, aber interessant. Immer wieder geht es Treppen rauf und dann wieder runter.

Der Eintritt ist in der Citycard inklusive, nur für den Videoguide hätte man wieder zahlen müssen. Dieses Mal haben wir uns das gespart, denn das Gebäude ist an sich sehr schön und bei der Bootsfahrt am Vortag haben wir auch schon allerlei über die Grafen erfahren. Den Gravensteen sollte man auf jeden Fall besucht haben.

 

Gent im Meisterfieber

Bis zur Abfahrt bleiben uns noch ein paar Stunden. Wir wollen noch etwas “Richtiges”, Typisches aus Gent essen, aber in den Cafés und Restaurants der Alstadt ist kein freier Platz zu finden und dass, obwohl die Gastronomiedichte dort riesig ist. Wir wundern uns über Menschen, die bei 30 Grad mit blauen Schals durch die Straßen laufen. Vor einer Bank hängt ein riesiges Trikot des K.A.A. Gent. Ein kurzes Googlen bringt Antworten: Der Fußballverein ist vor wenigen Tagen Belgischer Meister geworden (zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte) und abends soll die Siegesfeier stattfinden. Sonst ist Gent schon ein beliebtes Ausflugsziel, aber an diesem Sonntag ist es extrem. Wir wir später in den Genter Zeitungen lesen, waren 125.000 Fans angereist, um ihre Mannschaft zu feiern. Je näher die Meisterfeier rückt, desto mehr dominieren die Farben Blau und Weiß. So mancher Indianerhäuptling läuft an uns vorbei. Sogar blaue Cuberdons/Neuzen gibt es zu kaufen.

Nach der zweiten Runde durch die Altstadt geben wir unseren Plan mit dem Essen auf. Es ist nicht nur zu voll, sondern mittlerweile ist auch die Mittagstischzeit vorbei. Wir schauen uns noch im In-Viertel Patershol um und kaufen uns schließlich an einer kleinen Bude am Vleeshuis Belgische Pommes, suchen uns ein sonniges Plätzchen an der Leie und genießen die Sonne.

3 Gedanken zu “Sonntag in Gent

  1. Gent ist auch echt ein süßes Städtchen. Mein letzter Brüssel-Besuch ist zwar schon ein Weilchen her, aber ich habe Brüssel auch nicht so schön in Erinnerung.

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